‘Umar ibn ‘Abd al-‘Aziz wurde etwa 680 n.Chr. in Medina geboren, zog aber früh mit seiner Familie nach Ägypten, wo sein Vater als Gouverneur eingesetzt war. Auf eigenem Wunsch schickte ihn sein Vater nach kurzer Zeit wieder nach Medina, da ‘Umar dort unter den Rechtsgelehrten lernen wollte. Er lernte dort unter vielen der Prophetengefährten, sowie deren Nachkommen und war ein wissbegieriger Schüler

Nachdem der Kalif al-Walid bin ‘Abd al-Malik das Amt im Jahre 705 n. Chr. antrat, machte er ‘Umar ibn ‘Abd al-‘Aziz zum Statthalter Medinas, später auch Mekkas und Taifs. Er versammelte in dieser Zeit die Gelehrten Medinas, um sie als Berater zu nutzen. Im Jahr 712 n.Chr. endete seine Zeit als Statthalter und er zog nach Damaskus, wo er später vom Kalifen Sulaiman ibn ‘Abd al-Malik zum Minister und anschließend zu seinem Nachfolger als Kalif ernannt wurde.

Später, in seinem jungen Erwachsenenalter, war ‘Umar ibn ‘Abd al-‘Aziz unter den Menschen jedoch auch für seinen ausschweifenden, luxuriösen und exzentrischen Lebensstil bekannt. So parfümierte er sich und seine Kleidung sehr stark, sodass man den Geruch seines Parfüms noch lange nach seiner Anwesenheit an einem Ort riechen konnte. Zudem kleidete er sich mit aufwendig gewebter und teurer Kleidung. Teilweise gab er für ein Kleidungsstück hundert Dinar (Goldwährung) und für verzierte Ärmel sogar bis zu 800 Dirham (Silberwährung) aus. Er besaß immer die schönste und neueste Kleidung, gab den Hauptteil seines Vermögens dafür aus und war teilweise dennoch nicht zufrieden. Er soll gesagt haben:

„Ich hatte Angst, dass mein Rizq (Versorgung, hier: Vermögen) nicht für meine Bekleidung ausreichen würde. Und ich trug nie ein Gewand bei dem, wenn ich sah wie die Menschen es anschauten, ich mir vorstellte, dass es vielleicht gerissen oder kaputt gegangen sein könnte.“

Auch für seinen stolzierenden Gang war ‘Umar ibn ‘Abd al-‘Aziz bekannt. Er hatte einerseits einen eleganten und anmutig wirkenden Gang, sodass sogar einige Frauen versuchten diesen nachzuahmen. Andererseits hatte er eine stolzierende, ja sogar hochmutig wirkende Gangart. Zudem verließ er sein Haus nicht, ohne in Gefolgschaft von Bediensteten zu sein.

Sein Gang, sein Parfümieren, seine kostspielige Kleidung, sowie die Zurschaustellung des Wohlstands und des Luxus führten bald dazu, dass er auf einige Menschen arrogant und hochmütig wirkte. Dieses Verhalten änderte ‘Umar ibn ‘Abd al-‘Aziz allerdings schlagartig, als er Regierungsverantwortung übernahm. Seit diesem Zeitpunkt an wurde er bescheiden und streng mit sich selbst und seinen Nahestehenden, sowie gütig zu der Bevölkerung, besonders nachdem er das Amt des Kalifen übernahm. Er verlangte von seinen Statthaltern und Gouverneuren Gerechtigkeit gegenüber den Menschen und zog jene, die dies nicht taten, zur Verantwortung oder setzte sie ab. Seiner Familie ordnete er, in Bezug auf Nahrung und Kleidung, Bescheidenheit an. So ließ er seiner Frau die Entscheidung, da er befürchtete, dass ihr Schmuck und ihr Geschmeide aus dem Schatzhaus der Muslime stammte, dass sie diese Sachen dem Schatzhaus zurückgeben oder zu ihrer Familie zurückkehren soll (also er sich von ihr scheiden lässt). Sie bevorzugte es aber bei ihm zu bleiben und gab all ihre Kostbarkeiten dem Schatzhaus der Muslime zurück. Auch sonst nahm er kein Geld aus dem Schatzhaus, nicht einmal um seine Arbeit als Kalif zu vergüten, sondern verdiente sein Vermögen eigenständig. So besaß er eine kleine Wasserquelle, dessen Wasser er auf unbenutztes Ackerland umleitete, um dieses zu bewirtschaften und Datteln anzubauen, die er anschließend verkaufte

‘Umar ibn ‘Abd al-‘Aziz besserte in seiner Amtszeit viele landwirtschaftliche Flächen aus, lies Brunnen graben, bebaute die Wege und Straßen und ließ Herbergen für Wanderer errichten. Zudem verordnete er, dass unbebaute und ungenutzte Landflächen dem Schatzhaus der Muslime übertragen werden. So konnte durch seine Reformen dafür gesorgt werden, dass während seiner Amtszeit Armut und Bedürftigkeit verschwanden und es gegen Ende niemanden in seinem Staatsgebiet gab, der von der Almosengabe der Muslime aus dem Schatzhaus etwas benötigte.

In seiner Amtszeit als Statthalter, Minister und Kalif war ‘Umar ibn ‘Abd al-‘Aziz davon überzeugt, dass er für sein Handeln von Allah (swt) zur Rechenschaft gezogen wird. So besann er sich in der Zeit seiner Regierungsverantwortung zurück zu dem, was er unter den Prophetengefährten und Gelehrten in seiner Kindheit und Jugend lernte und wurde zu einem  frommen, gütigen und gerechten Herrscher, der sich um den Staat und die Bürger kümmerte. Seine Taten sind in die Geschichtsbücher und die Herzen der Muslime so tief eingedrungen, dass er – möge Allah mit ihm zufrieden sein – sogar von einigen Gelehrten als der fünfte „rechtgeleitete Kalif“ betitelt wurde, einem Titel, der eigentlich nur für die ersten vier regierenden Prophetengefährten verwendet wird.