Durch den materiellen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg der Europäer, fühlten sich einige Länder innerhalb des osmanischen Reiches dazu verleitet, sich in Richtung Westen zu orientieren. Vor allem die christlichen Gemeinden im Staat wendeten ihr Blicke ihren Glaubensbrüdern in Europa zu. Sie schickten ihre Kinder vermehrt nach Europa zum Studieren und stärkten ihre Beziehungen zu den europäischen Ländern. Dies resultierte zudem aus dem Fehler der Osmanen, die von ihnen eingenommenen Länder, in welchen die Mehrheit der Bewohner keine Muslime waren, sich kulturell um diese zu kümmern. Stattdessen begnügten sie sich die Steuern von ihnen zu erheben und einen Gouverneur dort einzusetzen. In kulturellen, religiösen und sprachlichen Belangen wurden sie größtenteils nicht betreut. Daher behielten sie auch stets ein Argwohnen gegenüber den Osmanen und dem Islam und fingen an, sobald sie die Möglichkeit durch den europäischen Aufstieg sahen, sich vom osmanischen Staat abzuspalten.

So gründeten einige griechische Christen geheime Vereinigungen mit Sitzen in Österreich oder Russland, und arbeiteten von dort aus darauf hin, eine Revolution gegen die Osmanen zu beginnen. Das Zentrum der sogenannten „Bruderschaft“, die Einflussreichste dieser Vereinigungen, lag in Wien und später Kiew. Ihre Mitgliederzahl stieg schnell an und so konnten sie innerstaatliche Konflikte des osmanischen Staates schnell ausnutzen und ihre Aktionen beginnen. Sie machten, angespornt und unterstützt von Russland, ihren Ungehorsam gegenüber dem osmanischen Gouverneur Khurshid Pascha öffentlich, worauf dieser sie bekämpfte, allerdings die Schlacht 1821 verlor. 1822, nach dem Tod von Khurshid Pascha, beauftragte der Kalif Mahmoud II den ägyptischen Gouverneur Mohammed Ali Pascha damit, den griechischen Aufstand zu zerschlagen und machte ihn dafür zusätzlich zum Statthalter der griechischen Gebiete Peloponnes und Kreta, welche die Zentren der Revolution waren. Von Alexandrien aus machte er sich mit seiner Armee übers Meer auf zur griechischen Insel Rhodos und von da aus nach Kreta. Diese nahm sein Sohn Ibrahim ein und zog weiter nach Peleponnes, welches auch – allerdings unter größtem Widerstand – eingenommen wurde.

Da jedoch ganz Europa aus Hass gegenüber dem Islam und den Osmanen als dessen Repräsentanten, hinter der griechischen Revolution stand und sich in einigen Teilen Europas ebenfalls Vereinigungen zur Unterstützung der Revolutionäre gebildet hatten, übersanden diese Vereinigungen den Revolutionären Waffen und Geld, damit sie weiter gegen die Muslime kämpfen konnten. Es schrieb sich sogar eine große Zahl der Mitglieder dieser Vereinigungen freiwillig zum Kampf gegen die Osmanen ein und reiste nach Griechenland, darunter auch der Schriftsteller und Adoptivsohn des ersten amerikanischen Präsidenten George Washingtons, George Washington Parke Custis, sowie der englische Dichter George Gordon Byron. Die Osmanen konnten zwar die Revolution vorerst zerschlagen, allerdings wuchs der Druck auf sie, sodass Russland und England schließlich 1827 ein Friedensabkommen mit dem osmanischen Staat aushandelten, von dem folgende Punkte die wichtigsten waren:

  1. Russland wurde erlaubt im Schwarzen Meer Schiffsfahrt zu betreiben und ohne Kontrolle in die osmanischen Meerengen einfahren zu dürfen.
  2. In den Gebieten Wallachia und Baghdan (beides im heutigen Moldawien) werden Herrscher gewählt, die von den Osmanen nur mit der Zustimmung Russlands abgewählt werden dürfen.
  3. Serbien wird unabhängig. Die Osmanen behalten lediglich drei Fürstentümer, darunter auch Belgrad.

Diesem Vertrag stimmten schließlich auch Österreich, Preußen und Frankreich zu. Interessant dabei ist, dass, obwohl der Vertrag aufgrund der griechischen Revolution angesetzt wurde, wurde diese in keiner Weise in den Bedingungen erwähnt oder behandelt! Er entstand nur aufgrund des Drucks der Europäer, die in ihrem Hass auf den Islam und die Osmanen gemeinsamen Druck auf diese ausübten. Das Mittel dazu war die griechische Revolution. Doch ihren Nutzen sahen sie in anderen Gebieten.

Die Osmanen verpassten es leider den Islam in die Herzen der Bevölkerungen in jenen Gebieten zu bringen, in denen hauptsächlich nichtmuslimische Gesellschaften lebten. Sie begnügten sich mit dem grundsätzlichen Verwalten der Gebiete und dem Erheben von Steuern. Dadurch drangen sie nicht zu den Christen in Griechenland vor, sodass diese sich weiter mit den Europäern verbunden fühlten und nur auf die Gelegenheit warteten sich von dem osmanischen Reich absetzen zu können. Dieses Ereignis zeigt uns auch, dass die europäischen Länder sich dann einigten, wenn es um den Kampf gegen den Islam ging. So waren Russland, Preußen, Frankreich und Österreich keineswegs geschlossene, sich gegenseitig positiv zugewandte Einheiten, sondern durchaus verstritten und auf ihren jeweiligen eigenen Vorteil bedacht. Dies zeigt sich eben auch in dem Vertrag, der für die eigenen Interessen genutzt wurde, anstatt denjenigen zu helfen, nämlich den griechischen Revolutionären, weswegen er ursprünglich angesetzt wurde. Die Europäer scheuten sich also nicht die griechische Revolution mit Waffen und finanziellen Mitteln zu unterstützen, diese dann aber, nachdem die Revolution von den Osmanen beendet wurde, fallen zu lassen und ihre eigenen Interessen auszuhandeln.

Die Lehre für die Muslime hierbei ist, dass ein muslimischer Staat sich nicht mit dem bloßen Einnehmen von Gebieten begnügen darf, denn die Aufgabe ist nicht ausschließlich Gebiete einzunehmen. Vielmehr sollte der Islam verbreitet und sich um die Angelegenheiten der Bürger gekümmert werden. Die Prophetengefährten haben es geschafft in den Gebieten, die sie eroberten, den Islam zu implementieren und die dortigen Gesellschaften so zu verändern, dass diese bis heute Muslime geblieben sind und sich stolz für diesen einsetzen. Ein islamischer Staat soll die Gerechtigkeit des Islams verbreiten und die Herzen seine Bürger gewinnen. Somit haben es dann auch Feinde von außen schwer, innerhalb des islamischen Reiches für Unruhe und Spaltung zu sorgen. Weiter zeigt uns dieses Ereignis, wie wichtig es ist als Muslime zusammen zu stehen, trotz eventueller Meinungsverschiedenheiten. Denn die Feinde von außen haben das pragmatische Ziel dem Islam zu schaden und sich dafür auch – trotz ihres Hasses untereinander – zusammenzutun. Sie planen, um den Muslimen mehr und mehr zu schaden. So sagte der Gesandte Allahs (sws) in der ungefähren Übersetzung:

„Haltet euch an die Gemeinschaft, denn wahrlich frisst der Wolf das einzelne Schaf.“

Und Allah, der Erhabene, sagt:

„Oh die ihr glaubt, fürchtet Allah in gebührender Furcht und sterbt ja anders als Muslime! Und haltet alle fest am Seil Allahs und geht nicht auseinander! Und gedenkt Allahs Gunst an euch, als ihr Feinde wart und Er dann eure Herzen zusammenführte, worauf ihr durch seine Gunst Brüder wurdet…“

(Sure 3, Vers 102-103)