Ein wichtiger Faktor, welcher zum Rückgang und Zerfall des osmanischen Staates führte, war der Aufstieg Europas und die Abmachungen der christlichen Staaten untereinander. Sie legten große Teile ihrer inneren Streitigkeiten beiseite – auch wenn diese immer noch vorhanden waren – und konzentrierten sich auf die Zerschlagung des osmanischen Staates. Um diesen jedoch schaden zu können, konnten sie sich nicht allein auf ihre militärische Kraft verlassen, sondern bedienten sich anderer, hinterhältiger Mittel. Man suchte beispielsweise im osmanischen Reich lebende Minderheiten auf, wie etwa die Christen der verschiedenen Konfessionen, und versuchte diese zu Aufständen und Revolten gegen den Staat zu bewegen. Zudem versuchte man in einigen im Dienste des Staates arbeitenden Generälen und Gouverneuren die Gier nach Macht zu wecken, um diese ebenfalls gegen die Osmanen bzw. gegen den osmanischen Staat aufzubringen. So bedienten sich die christlichen Länder neben den militärischen Aktionen zu einem großen Teil der Intrigen, um dem osmanischen Reich von innen heraus zu schaden.

Eines dieser christlichen Länder war das orthodoxe Russland. Die Kosaken, welche Russland treu waren, attackierten den osmanischen Staat an einigen seiner Außengrenzen. Um Russland dafür eine Lektion zu erteilen und um die Situation nicht schlimmer werden zu lassen, erklärten die Osmanen Russland den Krieg. So begann der Khan (Führer) der Krim, Karim Karay, im Jahre 1768 n.Chr. russischen Boden anzugreifen und viele russische Bürger gefangen zu nehmen. Russland hingegen besetzte kurz darauf die Gebiete Walachei (Teil des heutigen Rumäniens) und Baghdan (heutiges Moldawien).

Im Zuge dessen stachelte Russland die im osmanischen Reich lebenden römisch-orthodoxen Christen auf der Halbinsel Peloponnes (heutiges Griechenland) zu einer Revolte an. Dabei unterstützten sie die Revolte durch eine Flotte, welche sie ihnen durch eine Umleitung über Europa zukommen ließen. Die Revolte schlug jedoch fehl, auch wenn einige Teile der osmanischen Flotte dabei zerstört wurden.

Noch während Russland die Christen in Peloponnes zur Revolte anstiftete, setzte es sich gleichzeitig mit einigen machtgierigen Gouverneuren und Befehlshabern der Osmanen in Verbindung. So schaffte es der Führer der russischen Flotte sich mit Ali Bey, dem ägyptischen Gouverneur, der in Ägypten nahezu unabhängig agieren konnte, auszutauschen und ihn zur Auflehnung gegen die Osmanen in der Levante (Gebiet um heutiges Syrien) zu ermutigen. Der russische Flottengeneral lockte ihn mit der Vergrößerung seines Einflussgebiets und versprach ihm Unterstützung mit Munition und Proviant. Mit dieser Aktion wollte Russland im Inneren des osmanischen Staates für Chaos sorgen und die osmanische Armee daran hindern, die russischen Truppen besiegen zu können. Ali Bey war diesem Angebot zugeneigt, versammelte seine Armee, marschierte in die Levante ein und besetzte Gaza, Nablus, Jerusalem, Jaffa und Damaskus. Anschließend machte er sich auf in Richtung Norden nach Anatolien, wo er sich mit den Russen treffen und vereinen wollte, um Anatolien einzunehmen. Allerdings rebellierte Muhammad Bey Abu Dahab, der Stellvertreter Ali Beys in Kairo, gegen diesen, sodass Ali Bey gezwungen war nach Ägypten zurückzukehren, um gegen ihn zu kämpfen. Ali Bey verlor die Schlacht vorerst und musste fliehen, konnte aber danach eine neue Armee aufbringen und einen Teil seiner alten Stellung zurückerlangen. 

Um Rache an Muhammad Bey Abu Dahab zu nehmen und um sich den Rücken frei zu machen, bevor er ein weiteres Mal Anatolien angreift, machte sich Ali Bey mit der Unterstützung von 400 russischen Kämpfern 1765 n Chr. auf in Richtung Ägypten. Dort kämpfte er gegen die Armee von Abu Dahab, verlor die Schlacht aber und wurde, zusammen mit vier der größten russischen Generäle, gefangen genommen. Ali Bey starb kurz darauf in der Gefangenschaft an seinen Verletzungen. Die Nachricht von seinem Tod wurde dann den osmanischen Führern in Istanbul überbracht.

Russland bediente sich verschiedener Mittel, um gegen die Osmanen zu kämpfen. Sie griffen den Staat direkt an, wussten aber um dessen militärische Stärke und sorgten daher für innerstaatliche Konflikte. Zum einen nutzten sie dafür ihre religiöse Verbundenheit mit den orthodoxen Christen auf der Halbinsel Peloponnes, um diese zu einer Revolte gegen die Osmanen zu bewegen. Andererseits suchten sie sich die machthungrigen und leichtsinnigen Gouverneure, wie hier beispielsweise Ali Bey heraus, um diese mit falschen Versprechungen auf ihre Seite zu ziehen. So verursachten sie anfangs nur leichten militärischen Schaden in den Grenzgebieten des osmanischen Reiches. Größer jedoch war der innere Schaden, den Russland durch hinterhältige Versprechen anstiftete.