Nichtohnemeinkopftuch

Unter dem Hashtag #NichtOhneMeinKopftuch haben wir am vergangenen Sonntagabend gegen das drohende Kopftuchverbot für unter 14-jährige Mädchen an den Schulen in NRW online protestiert – und das mit vollem Erfolg. In den deutschlandweiten Trends sind wir mit über 130.000 Tweets auf Platz drei gekommen. Mittlerweile sind wir bei knapp 150.000 Tweets. Es haben sich viele Muslime und auch einige Nichtmuslime daran beteiligt. Dabei waren die unterschiedlichsten Gruppen und Privatpersonen daran interessiert, durch diese Aktion ein Zeichen zu setzen, dass wir nicht vorhaben uns von unserem Islam zu entfernen. Vereinzelt sind auch Tweets ins Englische und Arabische übersetzt und dort verbreitet worden.

Dass wir unser Ziel erreicht haben und die Massen auf unseren Unmut bzgl. der derzeitigen Entwicklung aufmerksam wurden, hat man unter anderem daran gemerkt, dass vereinzelte Berichte in der Onlinepresse zu lesen waren, die die Beteiligten der Aktion mit den üblichen diffamierenden Beschuldigungen beschrieben wie „dubios“, „radikal“ oder „extrem“. Gleichzeitig wurden die Kritiken an der Aktion von einigen als sachlich dargestellt, obwohl man klar sehen konnte, dass vieles grob beleidigend war. Hingegen waren so einige selbsternannte „Islamexperten“ und „Islamkritiker“ fassungslos darüber, mit welcher Kraft die Community sich gegen die derzeitige Entwicklung stellt. Auch haben einige darüber diskutiert, ob das Ganze eine False-Flag-Aktion gewesen sei, einfach deshalb, weil sie sich nicht vorstellen konnten und es noch nie gesehen haben, wie Muslime sich öffentlich so klar positionieren. Ebenfalls wurde gemutmaßt, dass es sich bei den tausenden von neuen Twitter-Channels, die viele Muslime einzig deswegen erstellt haben, um ein Zeichen zu setzen, doch eigentlich Bots wären.

All diese Zuschreibungen sind uns egal. Zum ersten mal konnten wir sehen welches Potenzial in uns steckt, wenn wir nur einen Hauch von Zusammenhalt zeigen und leben. Wenn niemand für uns spricht, dann tun wir es eben selbst und der Sonntagabend hat gezeigt, dass wir dazu in der Lage sind. Für viele war es wie ein Befreiungsschlag und man merkte, wie sie nur durch den Hauch des Duftes der Einheit und durch das Gefühl mit einheitlicher Stimme ohne Rechtfertigungsdruck für die eigenen Werte zu sprechen, beflügelt wurden. Doch das war erst der Anfang des Projektes unserer Einheit. Da ist noch mehr drin. Auch deshalb, weil das Kopftuchverbot noch lange nicht vom Tisch ist.

*** Was passieren wird ***

Wenn die Muslime im deutschsprachigem Raum weiter so einen Zusammenhalt zeigen und dieser in die gesamte deutschsprachige muslimische Community getragen wird, dann sollte jedem klar sein, dass mit Gegendruck zu rechnen ist. Einfach deshalb, weil die Politik nie gerne Einfluss verliert, doch das wird passieren, wenn die Muslime anfangen selbstbewusst und einheitlich ihre Rechte zu vertreten. Deshalb müssen wir damit rechnen, dass die Diffamierungskampagnen stärker werden. Auch wird man versuchen, die Muslime gegeneinander auszuspielen, indem man noch stärker als zuvor Labels wie „radikal“, „islamistisch“ oder „moderat“ und „zeitgemäß“ benutzt. Nach Kräften wird man sich bemühen die gemeinsamen Aspekte der Muslime in den Hintergrund treten zu lassen und dafür Dinge in den Vordergrund zu stellen, wie die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen islamischen Gruppen und dergleichen.

*** Was zu tun ist ***

  1. Tragt den Wunsch der Einheit in euch und verbreitet ihn. Stellt jegliche Angelegenheiten, wie nationale Konflikte oder die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen islamischen Vereinen oder Moscheen in den Hintergrund. Lasst euch nicht aufgrund solcher Themen gegeneinander aufhetzen und lasst nicht zu, dass man dadurch mit euch spielt. Auch dürfen wir uns niemals von den oben genannten Labels wie „radikal“ oder „extrem“ einschüchtern lassen, da sie meistens nur zur Spaltung dienen. Wir müssen inhaltlich auf die Argumente schauen und nicht bloß auf stumpfe Parolen hören, wie es die Spalter dieser Ummah gerne hätten
  2. Setzt euch weiterhin für die Kampagnen ein. Verbreitet die auf dem Weg gebrachte Petition gegen das bevorstehende Kopftuchverbot, klärt darüber weiter auf und teilt und kommentiert alle Beiträge und Postings zu diesen Themen. An die Schwestern im Besonderen: Hebt eure Stimme, denn nach dieser wird am meisten gefragt. Dazu könnt ihr unter anderem eure Erfahrungen und Gedanken zum Thema Kopftuch und Kopftuchverbot posten und diese Postings dann mit dem Hashtag #meinkopftuchreport versehen.
  3. Tragt diese Botschaften vor allem an die Muslime, die eine öffentliche Stimme haben und ermahnt sie, dass sie aktiv eine islamische Position in der Öffentlichkeit einnehmen sollen. Es ist nicht die Zeit des Wegduckens angebrochen, sondern die Zeit des Selbstvertrauens. So lasst uns gemeinsam den Sturm den wir entfacht haben zu einem Orkan werden lassen, der die Einheit in die Köpfe und Herzen der Muslime weht und sie mit Mut und Selbstvertrauen ausstattet.

,,Und haltet euch fest am Bindeseil Allahs, allesamt, und zertrennt euch nicht, und erinnert euch der Gnade Allahs gegen euch, als ihr Feinde wart, da fügte Er eure Herzen zusammen, also wurdet ihr durch Seine Gnade Brüder […]“ 3:103 (Qur’an)