Lifeline

Saving lives is everyone‘s duty – das Retten von Leben ist die Pflicht von jedem.

Mit diesem Motto durchquerten humanitäre Helfer das Mittelmeer, um das Leben von vielen Flüchtlingen zu retten, die sich dort in einer lebensbedrohlichen Lage befanden. Mit viel Zuspruch aber auch unter gleichzeitiger Obstruktion, ausgehend von den EU-Regierungen, haben diese Menschen dennoch standgehalten und einen humanitären Beitrag in Zeiten von Teilnahmslosigkeit und Ellenbogenmentalität verwirklicht.

Man fragt sich zurecht, was eigentlich dieser Gerichtsprozess soll, dem sich der Kapitän Claus-Peter Reisch unterziehen musste, der es sich zur Pflicht machte, Menschenleben zu retten.

Mit Zuhilfenahme von irreführenden Begründungen, die nicht ernst gemeint sein können, musste der Kapitän sich rechtfertigen, 10.000 Euro Kaution zahlen und gleichzeitig, aber am wichtigsten, die Rettungsaktion zeitweilig stoppen mit der unerträglichen Gewissheit, dass nun die auf Rettung angewiesenen Menschen ertrinken würden. Ging es hier wirklich um einen Formfehler? War das kurze Ausschalten des Transponders eine Rechtfertigung für die Ausreisespeere eines gesamten Schiffes mitsamt der Besatzung? Oder soll hier eine kollektive Abschreckungsmaßnahme für Flüchtlinge durchgeführt werden, damit diese in ihrer ausweglosen Situation begreifen sollen, dass es nun noch wahrscheinlicher ist, dass sie ertrinken und somit gar nicht erst wagen sollten, zu versuchen, nach Europa zu kommen. Ob so eine barbarische Maßnahme einen Effekt haben wird ist fraglich, doch was auf jeden Fall nachweislich schon geschieht, ist der Anstieg an ertrunkenen Flüchtlingen im Mittelmeer.

Durch das Festsetzen der Rettungsbesatzung samt ihres Schiffes unter fadenscheinigen Argumenten und der Aufführung eines grotesken Theaterstücks, nimmt die EU die tausenden toten Flüchtlinge in Kauf, dessen Zahl durch das Verhindern der Rettungsaktionen gestiegen ist. Man argumentiert damit, dass man sonst den Schleppern bei ihrer Tätigkeit helfen würde. Da fragt man sich nicht umsonst, ob wir es hier mit Menschen zu tun haben, die ein Gewissen besitzen. Wenn diese Hilfe bedeutet, Menschen vor dem Ertrinken zu retten, ist es nach menschlichem Ermessen egal, wem man hilft. Dies sollte die Prämisse der Politik sein und nicht die Kriminalisierung von Rettungsaktionen.

Das Kernproblem der gesamten Angelegenheit sollte es sein, sich zu fragen, warum eigentlich freiwillige Helfer diese Menschenpflicht erledigen müssen und bei ihrer ehrenhaften Tat gehindert werden. Doch dies bleibt vorerst unbeantwortet. Hingegen wird genau dieses Retten von Menschenleben, wofür die Staaten eigentlich verantwortlich sein sollten, von ihnen kriminalisiert.

Ist es denn nicht die Pflicht der europäischen Staaten, die von ihnen als ehemalige Kolonialherren mitverursachten Katastrophen zu bewältigen?

Blicken wir zurück. Im Grunde genommen waren es die Kolonialstaaten, die mit ihrer menschenverachtenden und ausbeuterischen Kolonialpolitik in der Vergangenheit die Strukturen sowie die Wirtschaft der Länder, aus dem heute die Flüchtlinge kommen, destabilisierten. Das französische Protektorat in Marokko ist nur ein kleines Beispiel, in dem durch Brutalität versucht wurde, eine Politik ganz nach den Interessen Frankreichs zu gestalten.

Ein anderes Beispiel ist der Putsch 1949 in Syrien, welcher von Miles Copeland in seinem Buch ,,Games of Nation‘‘ geschildert wurde, bei dem er als CIA-Beauftragter für den Erfolg dieses Putsches durch seine Organisation verantwortlich war. Dieser destabilisierte Syrien für die folgenden zwei Jahrzehnte. Dabei ist schon der Nationalstaat Syrien selbst ein Konstrukt der Kolonialherren, welches auf den Gräbern des osmanischen Kalifats errichtet wurde. Nicht nur in Syrien, sondern ebenso in vielen anderen afrikanischen und einigen asiatischen Ländern gab es Putsche und das nicht nur einmalig. Es ist bekannt wie die USA, Frankreich, Großbritannien und andere, immer wieder ihre Finger in fremde Angelegenheiten steckten und die Länder für ihre Interessen instrumentalisierten und damit destabilisierten.

Es ist ein Armutszeugnis der westlichen Staaten, dass sie die Konsequenzen aus ihren Handlungen nicht tragen können, sondern vielmehr das Ertrinken und Sterben der Geflüchteten in Kauf nehmen und jede Aktivität, die versucht dem entgegenzuwirken, unterbindet will. Einer der Gründe, warum sie sie so handeln, ist, dass der Rassismus, der sie dazu getrieben hat andere Völker zu unterdrücken, im eigenen Land die politische Elite vor sich her treibt.

Auch Deutschland ist mit von der Partie, da es mit seinen Waffenlieferungen eine passiv-aggressive Rolle auf der internationalen Weltbühne einnimmt und Despoten mit dem nötigen Werkzeug beliefert, um ihnen zu helfen. Wer Waffen sät, erntet Flüchtlinge, aber die Konsequenzen dafür tragen wollen sie nicht.

Die Menschen, die nun aus Angst vor dem Tod und dem Verhungern flüchten, kommen in einem Land an, in dem sie dann noch weitere Repressalien erwarten. Es erwartet sie der Rassismus der Goldene Morgenröte in Griechenland, die Front National in Frankreich oder die AfD in Deutschland. All diese Parteien sind induziert worden, durch die hetzerischen Kampagnen der sogenannten liberalen Parteien. War denn der Aspekt des Rassismus nicht auch mitverantwortlich für den Kolonialismus? Hat man denn nicht aus der Geschichte gelernt?

Als Muslime erkennen wir die Mühen derjenigen Teile dieser Bevölkerung an, die es geschafft haben, an grundlegenden Werten menschlichen Zusammenlebens festzuhalten und appellieren an die Muslime als auch an die Nichtmuslime weiterhin aktiv daran zu arbeiten, sich aller Morallosigkeit entgegenzustellen.

Sokrates beschrieb die Rolle des Individuums in einem Staat, als ein Glied, welches die Regierung anprangert, sofern diese falsch handelt. Diese Rolle, ungeachtet des Verfassers, müssen wir gerecht werden, denn diese bildet eine universelle Regel in jeder Staatsform.