Sei es bei der täglichen Lektüre des edlen Quran, der Teilnahme an einem islamischen Vortrag oder einem Unterricht in der Moschee – oftmals erkennen wir Muslime die Vielschichtigkeit der Themen, welche von Allah (t.) und Seinem edlen Gesandten (s.) aufgegriffen werden. Für den aufmerksamen Leser des Quran scheinen sich förmlich von Vers zu Vers Schauplätze, Perspektiven und Protagonisten zu ändern. Spricht Allah (t.) in einer Aya über ein Gebot, welches er den Gläubigen verpflichtend vorschreibt, thematisiert der darauffolgende Satz schon die Freuden der jenseitigen Wohnstätte. Geschichten der früheren Völker, Berichte über den Beginn der menschlichen Schöpfung, Argumente gegen die Vorwürfe der Ungläubigen oder die Lösung zwischenmenschlicher Beziehungen wie Ehe, Scheidung und Verwandtschaftsbande sind in diesem Sinne einige zu erwähnende Facetten des inhaltlichen Reichtums der islamischen Offenbarungstexte.

Neben alle dem bisher gesagten nehmen vor allen Dingen auch Prophezeiungen über anstehende Ereignisse eine große Bedeutung in unserer Literatur ein. In zahlreichen Aussagen spricht beispielsweise unser edler Gesandte Muhammad (s.) über Begebenheiten, welche in der Zukunft geschehen werden. Vor allen Dingen sind die Aussagen unseres geliebten Propheten (s.) hinsichtlich der Zeichen des Jüngsten Tages wohl jedem unserer Leser bekannt. So prophezeite uns beispielsweise der Gesandte (s.) das Wetteifern der arabischen Golfstaaten bezüglich dem Bau der größten Wolkenkratzer der Welt. So heißt es in einem Hadith, der bei Muslim überliefert wurde:

„Die Zeichen der Stunde sind, dass die Sklavin ihre Herrin gebärt und dass du siehst, dass barfüßigen, nackten und armen Schafshirten Hochhäuser bauen.“

In diesem Sinne stellt sich eine grundlegende Frage: Wie soll der gläubige Muslim mit der Fülle an Prophezeiungen umgehen? Welchen Effekt sollten diese Vorhersagen auf ihn haben? Die Antworten auf diese Fragen können wir im Leben einer ganz besonderen Person erkennen. Durch sein vorbildhaftes Verhalten stellt er eine der Persönlichkeiten dar, welche vor allem für uns Jugendliche als ein zu orientierendes Beispiel gelten sollte.

Unser Held sprach Türkisch, Arabisch, Persisch, Latein, Griechisch und Serbisch. Bereits seit seiner frühen Jugend wurde er von den besten Gelehrten seiner Zeit in den verschiedensten islamischen Disziplinen wie Quran, Hadith oder Fiqh (islamische Rechtslehre) ausgebildet. Gleichzeitig lehrten sie ihn auch Astronomie, Geschichte und Mathematik. Neben all diesen Fachgebieten vernachlässigte unser Held nicht seine praktischen Fertigkeiten und verbesserte seine Fähigkeiten in der Kriegskunst und im Reiten. Seine Zeitgenossen beschrieben ihn mit Attributen wie Mut, Ausdauer, Scharfsinn, Zielstrebigkeit und Gottesfurcht. Durch all diese Eigenschaften avancierte er zum „trefflichen amir“ des „trefflichsten Heeres“. Von niemand anderem ist die Rede als von Muhammed II., auch besser bekannt als Muhammad al-Fatih oder Fatih Sultan Mehmet.

Nachdem elf gescheiterte Versuche unternommen wurden, um das letzte Überbleibsel des einstigen byzantinischen Weltreichs für den Islam zu eröffnen, gelang es dem jungen Sultan Muhammad das Unmögliche möglich zu machen, in dem er Konstantinopel einnahm. Diesem geschichtsträchtigen Ereignis, welches das Ende des oströmischen Reiches besiegelte, ging jedoch eine ausgesprochen akribische Vorbereitung zuvor. Denn bereits in jungen Jahren hörte der zukünftige Sultan Muhammad noch als ein heranwachsender Jugendlicher die Prophezeiung und das damit einhergehende Lob des Gesandten Allahs (s.) für den Eröffnenden Konstantinopels. So heißt es in einem Hadith, den Ahmad überliefert, wie folgt:

„Wahrlich, Konstantinopel wird eröffnet werden. Welch trefflicher Führer (amir) ist ihr Führer! Welch treffliches Heer ist jenes Heer!“

Das Verlangen diese Vorhersage unseres geliebten Propheten realisieren zu wollen, führte den jungen Sultan direkt nach Anbeginn seiner Regierungszeit zu wichtigen politischen Schritten, die ihm den Grundstein für sein großes Vorhaben legen sollten. So bekämpfte er unter anderem die Korruption und Verschwendung in seinem Herrschaftsgebiet, tauschte die Gouverneure aus, verbesserte die wirtschaftliche Lage und rüstete seine Armee und Kriegsflotte auf. Außerdem schloss er Friedensverträge mit anderen feindlichen Staaten (z.B. Ungarn und Venedig), sodass er sich gänzlich Konstantinopel widmen konnte.

Nach all den Jahren der mentalen und praktischen Vorbereitung gelang es Muhammad II. am 29.05.1453 n. Chr. nach langer Belagerung den Ausspruch des Propheten (s.) zu verwirklichen – aus Muhammad II. wurde nun Muhammad al-Fatih (Muhammad, der Eröffnende). Sein Name ging in die Geschichtsbücher ein.

Mit der Eröffnung Konstantinopels haben die Prophezeiungen des Propheten (s.) und die Frohbotschaft des anstehenden Sieges und der Erhebung der islamischen Ummah kein Ende gefunden. Auch der islamischen Jugend unserer heutigen Zeit stehen besondere Gelegenheiten in unmittelbarer Reichweite, um die unglaubliche Ehre zu erreichen, eine Vorhersage des Gesandten Allahs (s.) realisieren zu können. Gleich ihrem vortrefflichen Vorfahren Fatih Sultan Muhammad, gewappnet mit tiefen Vertrauen in das Versprechen Allahs (t.) sowie hervorstechenden Eigenschaften wie Mut, Ausdauer, Einsatz und Leidenschaft für das angestrebte Ziel, können auch wir heutzutage große Taten begehen. Taten, die uns in die Fußstapfen der großartigsten Persönlichkeiten treten lassen und uns im Jenseits durch die Barmherzigkeit Allahs in die höchsten Stufen des Paradieses zu hieven vermögen.

Abdullah ibn Amr ibn al-As sprach: „Während wir um den Gesandten Allahs (s.) saßen und schrieben, wurde der Gesandte (s.) gefragt: „Welche der beiden Städte wird zuerst eröffnet? Konstantinopel oder Rom?“ Der Gesandte Allahs (s.) antwortete:

„Die Stadt des Herakles wird zuerst eröffnet werden, d.h. Konstantinopel.“

(Amad, al-Hakim)