„Gold ist das Geld der Könige, Silber das Geld der Gentlemen, Tauschhandel das Geld der Bauern – aber Schulden sind das Geld der Sklaven.“

Norm Franz „Geld und Reichtum im neuen Jahrtausend“

Wie stark die Wirtschaft unser alltägliches Leben beeinflusst, konnte in der Coronakrise deutlich gesehen werden. Neben den aktuellen Todeszahlen und der schleppenden Impfkampagne, dominierte die Wirtschaft die Titelblätter und Schlagzeilen hiesiger Medien. Doch während Europa und Amerika ein Milliardenhilfspaket nach dem anderen aufstellen, bleiben viele Menschen in der muslimischen Welt auf ihren Kosten sitzen. Schnell neigt man zu dem Urteil, dass die muslimische Welt für ihre katastrophale wirtschaftliche Lage selbst verantwortlich ist.

Was viele dabei nicht wissen ist, dass die im Westen hoch gelobte „freie Marktwirtschaft“ alles andere als frei ist. Es kann nicht sein, dass das meist verschuldetste Land der Welt gleichzeitig auch als das reichste gilt. Dies liegt nicht nur am technologischen Fortschritt, sondern vor allem und wegen dem Dollar als Leitwährung. Dies verschafft den USA einen uneinholbaren Vorsprung, der von keinem Land der Welt einzuholen ist. Doch wie genau dies aussieht und warum nur das islamische Wirtschaftssystem eine gerechte Alternative für die Menschheit darstellt, soll in diesem Artikel dargelegt werden.

Die Hegemonie des Dollar

Nach dem 2. Weltkrieg besaßen die #USA die mit Abstand größten Goldreserven der Welt. Zusammen mit dem Sieg im Krieg ermöglichte dies den USA, das globale Währungssystem rund um den #Dollar zu gestalten. Das in #BrettonWoods 1944 neu geschaffene System band die Währungen praktisch aller Länder der Welt durch einen festen Wechselkurs an den US-Dollar. Gleichzeitig band es den US-Dollar zu einem festen Kurs von 35 Dollar pro Unze an #Gold. Damit war der Dollar so gut wie Gold, während er ebenfalls zur wichtigsten Reservewährung der Welt wurde. Die USA zwangen andere Länder effektiv dazu, den Dollar für den internationalen Handel zu lagern oder bei der US-Regierung gegen Gold zu tauschen. Als Emittent der globalen Reservewährung war die internationale Nachfrage nach dem Dollar garantiert. Dies bedeutete, dass die USA nach belieben Dollars drucken konnten, da die Welt immer aufgrund des internationalen Handels Dollar benötigte und so die daraus resultierende #Inflation absorbieren würde. Dies wurde von Valery Giscard d’Estaing – Frankreichs Finanzminister in den 1960er Jahren – berühmt als „exorbitantes Privileg“ bezeichnet. Das exorbitante Privileg bedeutete, dass die USA ständig Defizite machen konnte, da andere Länder ihre Schulden aufkauften. 

Die Erschaffung des Petrodollars

Doch der sich über ein Jahrzehnt ziehende Vietnamkrieg und die ausufernden Ausgaben führten dazu, dass die USA mehr Dollars druckten, als sie diese mit Gold decken konnten. In den späten 1960er Jahren war die Anzahl der im Umlauf befindlichen Dollar im Verhältnis zur deckenden Goldmenge drastisch gestiegen. Dies führte bei vielen Ländern dazu, ihre Dollars in Gold umzutauschen, wodurch der Goldvorrat der USA stark abnahm. Er fiel von 574 Millionen Unzen am Ende des 2. Weltkriegs auf etwa 261 Millionen Unzen im Jahr 1971. Präsident #Nixon setzte 1971 „vorübergehend“ die Konvertierbarkeit des Dollars in Gold aus (sie ist bis heute noch in Kraft). Mit dem Ausstieg aus dem #Goldstandard entfiel der Hauptgrund, warum das Ausland große Bestände an US-Dollar benötigte. Die Nixon-Administration löste dieses Problem mit einer Reihe von Abkommen mit SaudiArabien, die den #Petrodollar schufen und dem Ausland einen weiteren zwingenden Grund gaben, den Dollar zu halten und zu verwenden. Diese neue Vereinbarung bewahrte den besonderen Status des Dollars als wichtigste Reservewährung der Welt. Die Vereinbarung sah vor, dass die saudische Monarchie und gleichzeitig der weltgrößte Erdölproduzent mit den weltgrößten Erdölreserven sein Erdöl in Dollar verkauft und seine dominante Position in der OPEC nutzt, um sicherzustellen, dass alle Erdöltransaktionen in US-Dollar stattfinden.

In der modernen Welt braucht jede Nation Erdöl. Und da das Erdöl lediglich in Dollar verkauft wird, braucht jede Nation US-Dollar. Wenn eine europäische Nation Erdöl mit Gold kaufen möchte, muss sie zuerst US-Dollar auf dem Devisenmarkt kaufen, um das Erdöl zu bezahlen. Dadurch fungiert der Dollar als Mittelsmann in unzähligen Transaktionen, die nichts mit US-Produkten oder Dienstleistungen zu tun haben. Durch den Verkauf des Erdöls in US-Dollar erzwangen die USA eine enorme Nachfrage (Abhängigkeit), wodurch der Dollar auch zum Maßstab für den internationalen Handel wurde. Zusätzlich zu fast allen Erdölverkäufen wird der US-Dollar für 88% aller internationalen Transaktionen verwendet. Die Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication (SWIFT), die es Finanzinstituten ermöglicht Zahlungen im Namen von Unternehmen, Regierungen und Institutionen durchzuführen, wird vom US-Dollar dominiert. Fast alle Nationen weltweit haben kaum eine andere Wahl, als den Dollar zu benutzen.

Dies gibt den USA ein unübertroffenes geopolitisches Druckmittel. Sie können per Knopfdruck jedes Land sanktionieren oder aus dem auf dem US-Dollar basierenden Finanzsystem ausschließen. In Folge können sie auch jedes Land vom Großteil des internationalen Handels abschneiden. Auf diese Weise gingen die USA während des Kalten Krieges mit Nationen um, die versuchten dem Ostblock beizutreten, wie beispielsweise Kuba. Nach dem Fall der Sowjetunion wurden sowohl der Iran als auch Nordkorea mit Sanktionen belegt und vom globalen Handel ausgeschlossen.

Es erfordert keine Anstrengung für die USA Dollars zu schaffen. Sie werden buchstäblich aus dem Nichts gedruckt oder auf Computern erstellt und dann gegen reale Dinge wie Autos aus Deutschland, Elektronik aus Südkorea oder in China hergestellte Waren eingetauscht. Die USA können auch unbegrenzt Schulden aufnehmen, die die Welt immer aufkaufen wird. 

Das gerechte islamische Wirtschaftssystem

Das einzige System das auf dem Goldstandard basiert, ist das Wirtschaftssystem des Islam, welcher in einem Kalifat umgesetzt wird. Im Islam wird eine duale „metallische Währung“ aus Gold und Silber verwendet. Es wird kein Papiergeld vom Staat genutzt, ohne dass es durch Gold und Silber gedeckt ist. Wenn das Kalifat also Papiergeld verwenden sollte, muss dieses zu 100% durch Gold und Silber gedeckt sein.

Gold und Silber sind die bewährtesten Tauschmittel, die es je gegeben hat. Sie haben einen intrinsischen Wert (einschließlich Schmuck und industriellem Gebrauch), sind weitestgehend verfügbar, können nicht von einem einzigen Spieler dominiert (monopolisiert) werden und es gibt ein regelmäßiges, stets wachsendes Angebot, um den Bedarf einer wachsenden Volkswirtschaft zu decken. Der jährliche Anstieg des Goldangebots beträgt über viele Generationen hinweg etwa 2 %.

Es gibt keine Beschränkung für den Besitz von Gold und Silber und keinen festen Wechselkurs zwischen den beiden. Ein Garant für den Erfolg des islamischen Währungssystems sind die islamischen Rechtssprüche, die das Horten von Vermögen verbieten: „Diejenigen, die Gold und Silber horten und es nicht auf Allahs Weg ausgeben, denen verkünde schmerzhafte Strafe.“ [9:34]

Dieses Gebot – in Verbindung mit einem Steuersystem, das sich auf das Vermögen und nicht auf das Einkommen konzentriert – fördert die Zirkulation von Geld und Investitionen. Wenn Reichtum nicht gehortet oder in einem restriktiven Bankensystem belassen wird (das in seiner Kreditvergabepolitik dem Konjunkturzyklus gleicht), ist das Ergebnis eine enorme Geschwindigkeit von Investitionen in allen Sektoren der Wirtschaft.

Das Wirtschaftssystem des Islam bietet ein überzeugendes Investitionsmodell. Es steht außer Frage, dass das islamische Wirtschaftssystem Investitionen fördert. Vielmehr fördert der Islam Handel und Investitionen klar und deutlich. Er gründet sein Wirtschaftswachstum nicht auf zinsbasierte Investitionen, welche letztlich nur wenige Profiteure haben und niemals als eine legitime Art des Handeln verstanden werden dürfen.  Allah (swt) hat dies klar gemacht, als Er sagte: „Sie sagen: ‚Handel ist dasselbe wie Zinsnehmen.‘ Doch Allah hat den Handel erlaubt und das Zinsnehmen verboten.“ [2:275]

Würde man die Vorteile des Goldstandards mit denen des Fiat-Standards vergleichen, wäre es unausweichlich den Goldstandard global zu erheben. Während der gesamten Geschichte des Geldes bis zum Ersten Weltkrieg arbeitete die ganze Welt mit dem Gold- und Silberstandard. Andere Standards waren der Welt bis dato unbekannt. Als jedoch die Kolonialisten begannen die verschiedenen Arten des Wirtschafts- und Finanzimperialismus als Mittel des Kolonialismus einzusetzen, haben sie die verschiedenen Währungsstandards in der islamischen Welt etabliert. Sie betrachteten neben Gold und Silber auch Bankeinlagen und nicht umtauschbare Banknoten als Geld, die keine Deckung in Gold oder Silber besaßen. Mit der Zeit wurde der Gold-und Silberstandard komplett fallen gelassen.

Fazit

Natürlich reicht ein einzelner Artikel nicht aus, um die Vorzüge und Erhabenheit des islamischen Wirtschaftssystems gegenüber den unterdrückerischen Systemen des Kapitalismus und Kommunismus aufzuzeigen. Die Unzufriedenheit mit den aktuellen Systemen hat jedoch zu einer großen Interessenszunahme in alternativen Wirtschaftsmodellen, wie dem des Islams, geführt. Sekundarliteratur über das gerechte islamische Wirtschaftssystem findet man mittlerweile zuhauf.

Wichtig zu beachten ist jedoch, dass das Wirtschaftssystem des Islam nur zusammen mit den anderen islamischen Systemen, wie dem Rechts- und Sozialsystem funktionieren kann. Ebenfalls bedarf es der islamischen Werte und Normen, die ausschließlich im islamischen Staat gedeihen können. Deshalb sind alle Versuche islamisches Wirtschaften einzuführen, wie Islamic Banking, zum Scheitern verurteilt, da die Umsetzung eines Systems die Umsetzung seiner gesamten Ideologie bedingt. Wir Muslime sollten daher die Umsetzung des gesamten Islam anstreben und uns nicht mit schein-islamischen Aspekten, wie Islamic Banking, zufrieden geben.