Nach dem Schock und der vergangenen Ohnmacht gibt es zum Kontext des Freitags, den 15.03.2019 zweifelsohne viel zu erzählen. 
Der mutmaßliche Attentäter von Christchurch, Brenton Tarrant (28), bezeichnete sich selbst in seinem Manifest (“The Great Replacement”) als »ethno-nationalistischer Öko-Faschist«. Er mordete, um die »weiße Rasse« und die angeblich durch »Überbevölkerung« bedrohte Umwelt zu schützen. Der Attentäter soll diesen Anschlag bereits seit zwei Jahren akribisch geplant und sich die Moschee-Gemeinden besonders sorgfältig ausgesucht haben. Insgesamt forderte der Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch 50 Tote und 47 zum Teil schwer Verletzte.

Die Polizei hat im weiteren Verlauf vier Personen festgenommen, an deren Fahrzeuge Sprengsätze gebunden waren. Über eine Bodycam wurde der Anschlag auf Facebook gestreamt und verbreitete sich schnell in den übrigen sozialen Netzwerken. 

Von nun an ist es definitiv nicht mehr passend, diesen Horror mit dem Begriff “Islamophobie” zu relativieren und zu verharmlosen. Es ist nicht mehr möglich, von einer bestimmten Angst oder Abneigung gegenüber dem Islam und den Muslimen zu sprechen. Hierbei handelt es sich um blanken Hass.

Die Blutspur kann kontinentübergreifend zurückverfolgt werden. Es existieren Mittäter und zwar in vielerlei Hinsicht. Hierbei ist nicht nur die Rede von einem Anders Breivik oder Donald Trump (die im Manifest explizit gelobt werden), sondern von den geistigen Brandstiftern, die den Kampf gegen den Islam mittels (nicht-)staatlicher Akteure austragen. Die etablierten Parteien, mediale Akteure und Redaktionen und die „Islamkritik-Industrie“ sind wesentliche Hauptdrahtzieher, da sie seit Jahrzehnten unermüdlich mediale Hetze gegen den Islam betreiben. 

Es betrifft all die Politiker, die inzwischen in vielen westlichen und europäischen Staaten regieren und den muslimischen Minderheiten ihre Rechte entziehen, islamische Praktiken kriminalisieren und ihre islamische Überzeugung und Erziehung verteufeln. Dieses Framing führte dazu, dass Muslime im öffentlichen Bewusstsein entmenschlicht wurden. Ebenso gehören jene Akademiker und Journalisten dazu, die ihren Beitrag zur kontinuierlichen, anitiislamischen Propaganda mit ihrem intellektuellen Eifer in zahlreichen Redaktionen leisten. Der Islam wird mit ihrem selbsterschaffenen Kampfbegriff des Islamismus gleichgesetzt, sprich der Muslim stellt ein Synonym für einen Islamisten dar. Der Hass kommt nicht nur von einer Einzelperson. Er wurde vom Staat mit dem Aufsetzen einer bestimmten Agenda geschürt. Folglich darf nicht nur der Zeigefinger auf eine Person gerichtet werden. Letztendlich wurde ein perfekter, wenn auch perfider Nährboden für solch abscheuliche Tathergänge geschaffen.

Wir werden, wie üblich, sehen, dass ein paar Blumen und Kränze niedergelegt werden und einige Politiker und VIPs ihr Beileid und ihre Solidarität öffentlich kundtun. Eine verantwortliche Politik und Wiedergutmachung, sieht jedoch anders aus.

Seit Jahrzehnten werden die Muslime in westlichen Medien dämonisiert und als eine akute Gefahr für die westlichen Gesellschaften dargestellt. Seit Jahrzehnten wird der Islam sowohl medial als auch politisch mit Terror und Gewalt assoziiert. In der Disziplin der Verbotspolitik finden wir beinahe tagtäglich islamische Themen, wie etwa das Kopftuch oder das Gebet an der Tagesordnung. Es wurde gezielt sukzessiv eine Atmosphäre des Hasses erzeugt. Das Schreckensszenario von einer Machtübernahme durch Muslime kommt nicht von ungefähr. Darauf aufbauend wurde eine feindliche Einstellung gegenüber dem Islam und den Muslimen aktiv gefördert. Die logische Konsequenz ist für einige Menschen wie Tarrant, dass diese Gefahr ausgemerzt bzw. eliminiert werden müsse.
Wenn man sich indessen die radikale Sorgfalt und grausame Herangehensweise der Tat des Christchurch Anschlags vor Augen führt, wird es einfach nachzuvollziehen, dass der Täter rational motiviert war und ebenso agierte. John Coyne vom Australian Strategic Policy Institute in Canberra, dem wichtigsten Thinktank des Landes, beschreibt das Vorgehen wie folgt: „Dieses Lösen aus der analogen Welt gepaart mit dem Operieren in einer weltweiten Echokammer und einer individualisierten Kommunikationsstrategie zeigt, dass er ein kühl kalkulierender Mensch ist. Nun hat er auch noch seinen Verteidiger gefeuert und will sich vor Gericht selbst vertreten – ganz sicher auch, um seine Botschaften zu verbreiten. Das steht uns also erst noch bevor.“

#Neuseeland#Christchurch